Fallschirmspringen 2013 – No Wings Today
Posted by daClaus - Dienstag, 25. Juni 2013
Von 21. bis 23. Juni fand auch heuer wieder das vom Militärfallschirmspringerverbund Ostarrichi organisierte Fallschirmspringen statt. Wegen der Hochwasserschäden in Tschechien musste für den bekannten Sprungort Erpuzice bei Pilsen kurzfristig Ersatz gefunden werden, was schnell in Gestalt der Rundkappen Drop Zone Magdeburg erledigt war.
Von den ursprünglich 11 angemeldeten Kameraden blieben zum Sprungtermin noch sechs Mann übrig, welche die etwa sieben Stunden dauernde Fahrt in den Osten Deutschlands auf sich nahmen. Nach dem Eintreffen am Flughafen Magdeburg am frühen Vormittag wurde einer Tätigkeit nachgegangen, die zu den Grundfertigkeiten jedes Soldaten gehört und dementsprechend perfektioniert ist: Es wurde gewartet. Der Versuch, im Flughafenrestaurant etwas zu essen zu bekommen, scheiterte dramatisch, da es noch geschlossen war. Unser hyänenhaftes Umschleichen des Restaurants erregte aber die Aufmerksamkeit eines Mannes, der sich uns als Jens und als unser Ausbildungsleiter vorstellte. So kamen wir zumindest einmal zu einer Tasse Kaffee, die nach der langen Anfahrt durchaus willkommen war. Nach dem Kennenlernen weiterer Sprungausbilder – sämtlich ehemalige Fallschirmjäger der NVA oder Bundeswehr – und des Organisators vor Ort, Paul Meyer, war es Zeit für eine kurze Mittagspause. Aus der kurzen Mittagspause wurde eine lange, und das schöne Wetter sorgte dafür, dass sich bereits der erste Sonnenbrand ankündigte.
Gegen 1500 Uhr startete die theoretische Ausbildung zur Vermittlung der Grundlagen, um einen Automatiksprung inklusive kontrollierter Landung selbständig durchführen zu können. Nach Erledigung der Anmeldeformalitäten übersiedelte der Kurs ins Freie. Die Ausbildung begann mit einer Einweisung in das Flugplatzgelände, dessen Umland sowie in die guten und die zu vermeidenden Landeplätze. Im Anschluss daran folgten Aufbau und Funktion des Schirmes sowie der Ablauf vom Absetzen bis zur Landung. Besonderes Augenmerk wurde dabei immer wieder auf die gleichen Punkte gelegt: Die Tätigkeiten direkt nach dem Absetzen, die Funktionsüberprüfung und die Notfallprozedur wurden uns durch ständige Wiederholung regelrecht eingehämmert. Der Wind, der den ganzen Tag beständig geweht hatte, war mittlerweile abgeflaut, was für den folgenden Tag als gutes Omen gedeutet wurde.
Der Samstag begann gemütlich gegen 0930 mit dem Ausfassen der Rundkappenschirme des Typs RS9/2, dem Standardschirm der ehemaligen NVA. Dieser ist gegenüber dem tschechischen Typ OVP-68 lenkbar und zeichnet sich durch gute Landbarkeit aus, während die Landung mit dem OVP-68 oft als „kontrollierter Einschlag“ beschrieben wurde. Marco, unser Ausbilder für die Rundkappe, erklärte Aufbau und Funktion des Schirms und gab uns eine Packeinweisung. Während des Packens wurde es dann ernst – der erste Test war zu schreiben! Na gut, so ernst war es nicht, nach 15 Minuten waren wir fertig und begaben uns wieder zum Hangar. Nach einiger Zeit kam Marco in Begleitung eines älteren Herren wieder, der sich uns kameradschaftlich als „Klaus“ vorstellte und mit uns zu plaudern begann. Wir waren nicht schlecht erstaunt, als wir kurz danach erfuhren, dass es sich bei „Klaus“ um Oberstleutnant a.D. Klaus-Dieter Krug handelte, dem ehemaligen Kommandeur des Luftsturmregiments der NVA. Mit ihm sollten sich im Laufe unseres Aufenthalts noch viele angeregte Unterhaltungen und gemütliche Stunden ergeben.
Gegen Mittag kam die erste unangenehme Nachricht: Zu starker Wind, Sprung auf 1500 Uhr verschoben. Der guten Laune tat das noch keinen Abbruch, warteten wir halt mal wieder. Eine gute Gelegenheit, mit anderen Springern zu plaudern. Offensichtlich galt das Motto „Oliv zieht oliv an“, denn fast alle waren ehemalige Fallschirmjäger. Die Sonne nahm zu, die Schattenplätze nahmen ab und die Arme und die teilweise (über)breiten Scheitel der Kameraden wurden röter. Nach einer Weile der nächste Hoffnungsschimmer: Trockentraining für den Ausstieg aus dem Flugzeug, zuerst rustikal auf einem Heurigentisch, danach direkt am Flugzeug. Für uns Rundkappenspringer gab es im Anschluss die praktische Ausbildung im Landefall, der empfohlenen Landetechnik für Rundkappenanfänger. Danach warteten wir wieder weiter und sorgten für allgemeine Verwirrung und verständnislose Gesichter, als wir die Betreiberin des Snackstandes mit dem Satz „Habt’s ihr ein Semmerl mit irgendeinem Würscht’l drin“ völlig verwirrten. Nach einigen Erklärungen einigte man sich und wir bekamen ein „Brötchen mit Bockwurst“.
Die früheste Sprungzeit wurde wegen des Windes zuerst auf 1700 Uhr und schließlich auf 1900 Uhr revidiert. Als um 1900 Uhr klar war, dass kein Sprung mehr möglich war, machten sich erste Enttäuschung, aber auch Hoffnung für den kommenden Tag breit, immerhin waren wir für den ersten Flug eingetragen, denn „normalerweise“ herrscht auf dem Platz am Abend und in der Früh Flaute. Das Grillgelage an diesem Abend ließ den Frust schlussendlich in den Hintergrund treten.
Sonntag. Der erste Blick aus dem Fenster verhieß Gutes. Es war zwar stark bewölkt, aber die Bäume bewegten sich kaum. Also raus aus den Betten und ab zum Frühstück auf die benachbarte Tankstelle. Bei der Rückkehr zum Platz hielt sich der Wind zwar im Rahmen, die erhoffte Flaute blieb leider aus. Mit der Zeit erwachte der Platz langsam zum Leben, gegen 0800 hatten sich bereits mehrere Grüppchen gebildet und reger Erfahrungsaustausch wurde betrieben. Kurz vor 0900 wanderten wir zum Hangar und bereiteten uns erneut auf das Anlegen der Schirme vor. Die aufgekrempelten Ärmel wurden wieder verlängert und die Haken der Stiefel akribisch abgeklebt. Die Motivation währte nur kurz, denn Jens kam zu uns und überbrachte die schlechte Nachricht. Durchschnittliche Windstärke 10 m/s, Spitzen bis 15 m/s, Scherwinde über dem Boden, keine Besserung in Sicht. Kein Sprungwetter, schon gar nicht für Rundkappen, und überhaupt nicht Schüler. Sicherheit geht vor Übungszweck.
Damit war klar, wir würden von diesem Wochenende ohne Sprung heimfahren. Die Enttäuschung war groß, aber nicht so groß wie befürchtet, immerhin hatten wir den Theorieteil für die Automatiklizenz positiv absolviert. Die Professionalität des gesamten Teams sowie die geknüpften Kontakte machen es uns leicht, so bald wie möglich den Weg noch einmal auf uns zu nehmen, um unsere Sprünge zu machen und damit auch den praktischen Teil der Ausbildung zu absolvieren. Ein Ersatztermin ist bereits in Arbeit.

Das ist kein alter Tower, auch kein Schlauchturm der Flughafenfeuerwehr, sondern ein Trockenturm für Fallschirme. Im Gebäude rechts davon befindet sich im Erdgeschoß die Sprungschule, im ersten Stock sind die Gästezimmer.

„Papa Klausner“, der Kommandant unseres Bergetrupps im Bataillon, hat eine gewisse Affinität zu alter Hardware 🙂

Einweisung in die Steuermöglichkeiten mit Vorschub und Steuerleinen. Diese beiden Eigenschaften machen den RS9 zu einer der kommodesten Rundkappen und damit zu mehr als einer Aufschlagbremse für aus dem Flugzeug gefallene Soldaten.

Test Nr. 1 war in ca. 15 Minuten erledigt. Test Nr. 2 dauerte ca. 2 Stunden. Den Gebäuden sieht man die jahrzehntelange Vernachlässigung an, sie werden aber Stück für Stück renoviert.

…und ein freies Doppelzimmer. Die Belegung wurde klassisch militärisch entschieden: Alter und Dienstgrad 🙂

Im Anschluß gibt’s den Praxisteil Landefall, bei dem die Energie einer möglichen ruppigen Landung elegant über eine Rolle abgebaut wird.
























Mario said
Hallo liebe österreichische Kameraden. Ein unterhaltsamer Bericht. Für euren zweiten Versuch wünsche ich euch viel Glück mit dem Wetter und vollen Erfolg. Ihr seid in besten Händen!
Glück ab! wünscht euch Mario
(Marco, Klaus und Jens werden euch am Lagerfeuer gern sagen, wer ich bin)
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