Claus’s Blog

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Der Herbst ist hier so schön um diese Jahreszeit… Teil I: Prolog und Vorstaffelung

Posted by daClaus - Freitag, 5. Oktober 2012

Nach Jahren der Demotivation und Stagnation meiner militärischen Laufbahn flattert 2012 wieder die Vorankündigung zu einer Bundesheerübung ins Haus. Übung beim Jägerbataillon Wien 1 Hoch- und Deutschmeister. Uuuuhhh… Leider (vom damaligen Standpunkt aus) ist das seit langem wieder ein Jahr, in dem ich mich nicht durch Freistellung wegen Elternteilzeit vor der Übung drücken kann. Also nehme ich diese Ankündigung mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis , wundere mich, daß ich trotz penetranter Nichtanwesenheit immer noch bei dem komischen Jägerbataillon beordert bin (Infantristen sind mir seit jeher sehr suspekt), und lese mit einem Anflug von Genugtuung, daß der nicht einmal bei der Einführung 1975 irgendwie moderne Dienst- und Kampfanzug 75 gegen den neuen Kampfanzug 03 getauscht wird.

Unimogs warten schon auf uns.

Auch für Milizangehörige – der ich ja einer bin -, was ein absolutes Novum darstellt, da man als solcher bisher oft das letzte Klumpat bekommen hatte. Die Tatsache dieser Vorankündigung ist dann irgendwo in meinem präsenilen Hirn versickert, bis eines Tages die Verständigung für einen RSa-Brief im Postkastl liegt…

Absender: Militärkommando Wien. Ahaaa… werde ich hoch dekoriert, eventuell endlich Generalfeldmarschall…? Nein, es ist die Einberufung zur Übung. Wääääh, Versorgungszugskommandant, neeeet. War irgendwie nie meins, die Versorgung, mit der ich 1993 zwangsbeglückt wurde. Dass die wirklich Ernst machen hätte ich nicht gedacht. Parallel zu dieser Erkenntnis wird offensichtlich ein weiterer Prozess in Gang gesetzt, denn plötzlich erinnere ich mich an Textfetzten, die ich vor einiger Zeit gelesen hatte „blablabla Kampfanzug tauschen blablabla im Vorfeld der Übung blablabla Termin vereinbaren blablabla“. Also Vorankündigung rausgekramt und den Termin mit dem Bekleidungskämmerer vereinbart.

Eine Woche später stehe ich dann in der Maria Theresien Kaserne vor besagtem Kämmerer, der plötzlich alte Ausrüstung von mir will. Ich: „Habe ich nicht, habe ich alles das letzte Mal abgegeben“, Er: „Glaube ich nicht“, Ich: „Ich schon.“, Er (hackt auf seiner Tastatur – wohl Modell Pompeji, wegen der eindrucksvollen Ascheschicht darauf – herum und deutet auf den Monitor): „Ich nicht, davon steht bei mir nichts.“, Ich (krame mein Wehrdienstbuch heraus und deute auf den Abgabestempel von 2006): „Bei mir steht das hier schon“, Er (käppelt, schimpft und meckert, wie es nur ein Heeresbediensteter kann, irgendwas von Wappler, stimmt gar nix, der Stress, des dauert jetzt, etc. etc.). Dann setzt er sich aber doch in Bewegung, verpaßt mir einen Rucksack, einen Trosssack (aka Seesack), der halb so groß ist wie ich, eine Sporttasche und meint lakonisch: „G’scheit packen, das wird alles voll.“ Und er hat recht. Wir wandern von Raum zu Raum, überall bekomme ich Bekleidung, Ausrüstung und sonstige Utensilien, die mich auf Fetischparties wahrscheinlich zum beliebtesten Gast machen würden, und alles füllt sich langsam. Am Ende hoffe ich, noch einen Adjudanten oder zumindest einen Sherpa zugeteilt zu bekommen, daraus wurde aber nichts. Waren alle schon ausgegeben. Nach dem Ausfassen einer Anzahl an Gegenständen, die sich nur ganz knapp noch im zweistelligen Bereich befindet, ist die nächste Challenge, alles in den Clio zu bekommen, was sich als anspruchsvoll, aber nicht unmöglich erweist. Gut für den Mitfahrer, der nicht dabei ist, der wäre zurückgeblieben. Physisch, nicht geistig.

Aber nicht genug der Herausforderungen. Zu Hause räume ich erst einmal alles aus und verteile es geplant chaotisch im Wohnzimmer. Unweigerlich erhebt sich die Frage, was wie wo reingehört. Als Grundwehrdiener hatte ich hier den Vorteil, dieses Wissen von Coaches mit erheblichem Anteil an zeitoptimierenden Übungen vehement vermittelt bekommen zu haben (ich weiß ja nicht, ob ich hier „einebudat“ schreiben darf), jetzt sehe ich mich dem ganzen eher hilflos gegenüber. Also alles wieder eingepackt und ab in den Schrankraum damit. Wird bei der Übung schon erklärt werden.

Zing. Zeitsprung.

Donnerstag, 6. September 2012.

Den Clio habe ich schon am Vorabend beladen, bei der Uniform kann ich mir gerade noch ohne Erklärung vorstellen, wie man sie anzieht. In modisches Oliv gekleidet (in der Farbe RAL 7013, falls das jemanden interessiert) verlasse ich früh morgens das Haus und fahre in die Maria Theresien Kaserne (in weiterer Folge MTK genannt). Der Einstellungsvorgang geht flott von statten, hier hat man sich was überlegt und gut geplant. Kurz darauf bin ich eingestellt, in die Stabskompanie. Meine Befürchtung, dort niemanden zu kennen, erweist sich als falsch, einige kenne ich vom sehen, einen anderen kenne ich als Ausbilder aus meinem EF-Jahr. Die Atmosphäre ist freundschaftlich entspannt, überall treffen sich alte Bekannte. Läßt sich ganz commod an, die Übung bisher. Ich stehe vor einer neuen Herausforderung: Jeder Zug – und davon gibt es einige in der Stabskompanie – hat einen Tisch zur Verfügung, um sich dort zusammenzufinden. Soweit kein Problem. Gekennzeichnet sind die Tische jeweils mit den taktischen Zeichen der Züge. Und hier ist das Problem. Diese Zeichen hat irgendein boshafter Mensch in den letzten 18 Jahren nach meiner Ausbildung geändert und mir nichts davon gesagt. Also frage ich mich – irgendwie peinlich – durch und bin doch schon beim dritten Tisch richtig. Hier ist mir meine Erfahrung bisheriger Übungen nützlich: Ich beginne aktiv zu warten. Nach und nach tröpfeln weitere Kameraden ein, und nach einer guten Stunde sind wir dort zwei Offiziere, zwei Offiziersanwärter, und keiner weiß, wer eigentlich der Kommandant ist (an dieser Stelle sei erwähnt: Ich reisse mich nicht wirklich um den Job). Etwas später ist dann klar: Ich bin eingeteilt als Reserve der Reserve des Stellvertreters des Zugskommandanten. Klingt unspannend, ist es auch. Zehn Tage können sich da leicht anfühlen wie Zeeeeeeeehn Taaaaaaageeeeeeee….. Der Zugskommandant – ein Leutnant – scheut sich wohl, mich alten Oberleutnant einzuteilen und schickt seine Offiziersanwärter aus. Ich beübe derweil heftig den Kaffeeautomaten.

Vor der Übung habe ich schon versucht, mich vom Versorgungszugskommandanten weg in den Bataillonsstab als stellvertretender „Offizier für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation“ (in weiterer Folge ÖA genannt) versetzen zu lassen, was aber leider zu kurzfristig war. „Wurscht“ denke ich nach einiger Überlegung, fragen kostet nix, vielleicht geht da ja spontan was, und spreche meinen Kompaniekommandanten darauf an. Der hört sich das an, bemerkt in einem Nebensatz meine konsequente Abstinenz an jeglichen bisherigen Fortbildungen, greift zum Diensthandy und zwei Minuten später bin ich auf dem Weg zum (und der Suche nach dem) Bataillonsstab. Gesucht, gefunden. Dort wurlts nur so. Würde ich blind einen Euro in den Raum werfen, träfe ich garantiert einen Major. Ich stelle mich mal schnell beim Bataillonskommandanten vor und lerne kurz darauf meine „Zellengenossen“ kenne (Zelle = das gesamte Personal des Grundgebietes, in meinem Fall Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation). Oberleutnant S., Oberwachtmeister S., Wachtmeister B. und Zugsführer F.. Volles Haus. Kaum bin ich angekommen geht es auch schon los. Wir haben einen Termin in der Abteilung für ÖA des Militärkommandos Wien, „wegen der Veranstaltung am Freitag“. Huh? Gut, dass jeder weiß, wovon die Rede ist, da fällt mein Nichtwissen nicht schwer ins Gewicht. Hier zeichnet sich bereits die Informationspolitik der weiteren Übung ab: eine Perfektionierung der klassischen Holschuld. Es soll noch bis zum nächsten Tag dauern, bis ich draufkomme, daß es von „der Veranstaltung am Freitag“ zwei gibt. Klar, gibt ja auch zwei Freitage bis zum Ende der Übung. Stupid me. Der Termin selbst mit dem Leiter der ÖA ist interessant, informativ und sehr locker. „Wir“ beplaudern den Termin am (zweiten) Freitag, der sich als Traditionstag des Militärkommandos Wien in der Maria Theresien Kaserne herausstellt, bei dem wir als Bataillon eine antretende Rolle haben werden, und bekommen alle notwendigen Informationen, um unsere Übung tagesaktuell auf http://www.bundesheer.at bloggen zu können. Danach versorgen wir uns mit Material für den Besuchertag während der Übung in Allentsteig, mit Pressemappen für uns eventuell besuchende Journalisten und bekommen noch eine kurze Einweisung in die Planung der Veranstaltung am Nationalfeiertag am Heldenplatz. Dieser Besuch erweist sich in Folge übrigens als Basis für etliche Tränen während der Übung. Keine Angst, die kamen nur vom Lachen. Leider läßt sich das nicht beschreiben, aber noch nie hat mir eine einfache Geste so viele Lachanfälle beschert wie auf dieser Übung. Nach knapp einmal einer Stunde in meinem neuen Aufgabenbereich verstehen wir uns bereits großartig. Der Schmäh passt, die Chemie auch. Zum Großteil. Nach einem Kaffee (hier bin ich im richtigen Bereich!) im Kasino fahren wir wieder zurück in die MTK und arbeiten weiter. Ausweise für uns, einen Ausweis sowie ein Legitimationsschreiben für einen externen Journalisten, der bei dieser Übung ab Montag als „embedded jounalist“ darüber berichtet, sowie Einladungen für „die Veranstaltung am Freitag“. WTF? Haben wir das nicht gerade besprochen? Nein, das eine war wegen der Veranstaltung am Freitag, jetzt geht es um die Veranstaltung am Freitag. So war es nicht wörtlich, kam es aber in meinem offensichtlich verständnislosen Hirn an. Nach einer lästigen Nachfrage meinerseits wird dann endlich deutlich, daß es sich bei der Veranstaltung am (ersten) Freitag um ein Abendessen des Bataillonskommandanten für geladene Gäste handelt. Wissen ist doch eine recht nette Sache. Nach diesem ausgefüllten Tag hört sich Dienstschluss ziemlich gut an.

Freitag, 7. September 2012

Ich springe um 0500 aus dem Bett, da früher Dienstbeginn befohlen ist, und wetze in die MTK. Mir meiner selbst bewußt werde ich etwa bei der Autobahnausfahrt Pressbaum. Weiter geht es im Wesentlichen wie am Tag zuvor. Planen, schreiben, drucken. Ohne PC wäre diese Übung für uns nicht durchführbar. Ohne regelmäßige Kasinobesuche für Besprechungen und zum Auffüllen des Koffeinpegels auch nicht. Wir planen unsere weiteren Aktivitäten sowie den Ablauf den Traditionstages (damit diese Verwirrung um „die Veranstaltung am Freitag“ endlich ein Ende hat) – bei dem den Hauptteil aber sowieso das Militärkommando Wien trägt – sowie den Ablauf einer Partnerschaftsbegründung der HYPÖ NOE Gruppe mit dem Bataillon. Zwischendurch gönne ich mir wieder ein paar Erlebnisse der dritten Art mit dem Bekleidungskämmerer – diesmal ein verhaltensoriginellen Kärntner – der beim Anblick von zwei (in Worten: zwei) Milizangehörigen mit Tauschanliegen meint „I kaun mi jo net z’reissen“. Meine Kampfweste der Größe L, die mir – mir verständlicher- ihm unverständlicherweise – zu groß ist, zu tauschen wird eine Sache von etwa 45 Minuten Danach erbarmt er sich endlich und schickt eine seiner Mitarbeiterinnen um einen neuen Karton mit Kampfwesten der Größe M. Beim (mit deutlich gezeigtem Unwillen) Öffnen des Kartons manifestieren sich Assoziationen mit dem Gollum, und spontane Bilder eines olivgrünen Kärntners, der mit den Worten „Mein Schaaatz“ den Karton an sich presst, entstehen in meinem Kopf. Schließlich entreisse ich die Weste seinen Fingern, renne auf der Flucht die fast unüberschaubare Menge von zwei Milizkameraden über den Haufen und schaffe es gerade noch in die Sonne, die er offensichtlich scheut und wieder im Gebäude verschwindet. Wachtmeister B., der meine Grösse hat, aber schlanker ist als ich, und dem eine Weste in XL verpasst wurde, konnte diese in weiterer Folge auch auf M tauschen. Der Rest des Tages verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Mein Shoppingausflug zum „Hoch- und Deutschmeister Fan Shop“ zum Zwecke des Erwerbes diverser Devotionalien (Bataillonsabzeichen, Kaffeehäferl, Pin etc.) bleibt im zweistelligen Bereich und muß daher nicht näher erläutert werden.

Samstag, 8. September 2012

Schon wieder so früh aufstehen. Schon wieder so früher Dienstbeginn. Heute steht ein bissl Ausbildung auf dem Programm. Schwerpunkte für uns sind die neuen „Voice Procedures“ beim Funken und – endlich – how to pack your stuff the right way. Alles in allem wird das relativ schlank gehalten. Fürs Funken bekommen wir eine klassische Faltkarte, beziehungsweise die Kopie einer Faltkarte auf einer A4 Seite, bei der die erste Aufgabe einmal ist, die richtige Reihenfolge der darauf kopierten Seiten herauszufinden. Die Einweisung in die Packordnung wird von zwei Wachtmeistern durchgeführt, die wir wegen der Qualität der Ausbildung für aktive halten, die zu unserer Überraschung aber ebenfalls der Miliz angehören. Bis jetzt macht der Verein auf mich einen verdammt guten Eindruck. Hartnäckige Gerüchte, daß wir auch am Sonntag Dienst hätten, erweisen sich als halbwahr, da sie nur die Stabsoffiziere direkt betreffen, unsere Zelle ausgenommen. Glück gehabt, ich reisse mit den anderen um 1700 ab und widme mich daheim dem Griller.

to be continued…

Der Hoch- und Deutschmeister Fan Shop. Der Umsatz während der Einrückung und dem Festakt am Freitag zeigte deutlich die Verbundenheit der Milizangehörigen mit ihrem Bataillon.

Cleopatra „Cleo“, der scharfe Wachhund des Shops. Da hat sich keiner getraut, etwas zu fladern. 😉

Der Fortschritt macht auch vor dem Heer nicht halt. Statt mühsam die 12M18 händisch zu beladen kommt die gesamte Ausrüstung in einen Container, wird per „Hakenladesystem“ verladen und huckepack ans Ziel gekarrt.

Das erste Antreten des Bataillons. Das sind nur die vorgestaffelten Teile (Kommandanten und so), nach Allentsteig ausgerückt sind wir mit knapp 600 Mann.

How to pack your Rucksackerl. War dringend nötig, diese Einschulung.

Neben den klassischen Arbeitspferden 12M18…

…standen uns auch die neuen Unimogs zur Verfügung.

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3 Antworten to “Der Herbst ist hier so schön um diese Jahreszeit… Teil I: Prolog und Vorstaffelung”

  1. UÖA said

    Sensationell wäre ich nicht dabei gewesen, diesem „first view“ hätte ich auch so geglaubt. Scheint so, als das der Bereich äh die Zelle ÖA ein hoch aktiver Bereich ist. Mache mich jetzt zum Heldenplatz auf den Weg, den dort kann man die Hoch- und Deutschmeister live am Nationalfeiertag erleben

  2. […] Der Herbst ist hier so schön um diese Jahreszeit… Teil I: Prolog und Vorstaffelung […]

  3. Servus Claus!

    Super – Du präsentierst eine Sicht der Dinge aus der Sicht eines Bataillonsangehörigen, die man gelesen haben muß!

    Schönen Sonntag und liebe Grüße

    Toni

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