Claus’s Blog

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Dei Vota is ka Glosara… (Projekt)

Posted by daClaus - Samstag, 17. Oktober 2009

heißt auf Hochdeutsch „Dein Vater ist kein Glasermeister“, wird verwendet, um andere wissen zu lassen, daß sie einem gerade im Blick stehen und soll andeuten, daß derjenige nicht durchsichtig ist.
Tut aber im Moment nichts weiter zur Sache, außer, daß mein Vater auch kein Glasermeister ist und ich unsere Fenster trotzdem selbst hergerichtet habe. Die Informationen dazu habe ich mir im Internet zusammengesucht, besonders hilfreich war dabei das Forum von www.woodworker.de .

Kurzübersicht (für die Lesefaulen):
Problem: alte Holzkastenfenster in sehr schlechtem Zustand
Ziel: die Fenster möglichst noch vor dem Winter instandsetzen
Lösung: Einfach – Fenster komplett sanieren
Aufwand: finanziell: gering / Arbeit: enorm (mal wieder)
Ergebnis: derzeit zufriedenstellend, Haltbarkeit wird sich weisen
Bewertung:

4steine

Wird mit der Übung einfacher, bleibt aber extrem zeitaufwändig.

Zum Weiterlesen hier drunter klicken!

Ausgangslage:
Altes Haus mit Holzkastenfenstern, denen im Obergeschoß scheinbar seit langem jegliche Aufmerksamkeit in Bezug auf Pflege und Instandhaltung versagt wurde. Das Ergebnis waren ausbröckelnder Fensterkitt, abgeblätterte Farbe und angegriffenes Holz.

IMG 001

Die Außenseite: Der Fensterkitt macht sich langsam selbständig, den Lack hält nur mehr die Angst, aus dem 1. Stock zu fallen.

IMG 002

Die Innenseite: Durch das Kondenswasser an der Scheibe rottete der untere Teil des Fensterflügels schon vor sich hin. Noch sieht man es nicht.

 

Werkzeuge und Material:

  • Dreiecksschleifer mit entsprechendem Vorrat an Schleifmaterial. Abgeschliffen habe ich meinst mit 120er Körnung, angeschliffen händisch (ohne Maschine) mit 240er. Absaugung ist empfehlenswert.
  • Schleifschwamm fein, Schleifpapier, Schleifblock
  • Hammer, 5mm Durchschlag und Stechbeitel
  • Kittmesser und Fensterkitt
  • Grundierung, Leinölfirnis, Farbe, Pinsel

 

Ausführung:

Nach dem 2. Blick auf die Fenster war klar, daß es mit einer kleinen Reparatur nicht getan war. Mein Plan von Lack anschleifen, neu streichen und den kaputten Fensterkitt nur an den notwendigen Stellen ersetzen ging also nicht auf. Deshalb war Plan B fällig. Die Tätigkeiten beschreibe ich im folgenden gesammelt, Bilder dazu kommen dann weiter unten. Aufpassen sollte man bei der Wahl des Lacks. Meine Patienten waren schon einmal mit Acryllack auf Wasserbasis gestrichen, weshalb ich jetzt wieder einen genommen habe. Richtig alte Fenster waren oft mit Farben auf Ölbasis gestrichen und eventuell sogar mit Leinölfirnis grundiert. Darauf halten „baumarktübliche“ Lacke auf Wasserbasis nicht, in diesem Fall bitte im Fachhandel beraten lassen (jaja, das gibt’s noch!) und entsprechende Farben besorgen.

  • Fensterrahmen auf 2 Holzleisten „aufbocken“, um während der Arbeit Beschädigungen des Rahmens durch Kittstücke etc. auf der Arbeitsfläche zu vermeiden
  • alten Kitt komplett entfernen, Glaserecken entfernen, Scheibe herausnehmen, abblätternden und schlecht haftenden Lack bis aufs Holz abschleifen. Ausgeglast habe ich !vorsichtig! mit Hammer und Stechbeitel. Danach alte Kittreste so gut wie möglich entfernen.
  • Risse und Beschädigungen im Holz bei Bedarf ausbessern/ kitten und nach dem Trocknen verschleifen. Die losen Dübel, die die Rahmenteile zusammenhalten, habe ich wieder eingeleimt, mit einem Tapetenleistenstift fixiert (sprich festgenagelt), verkittet und verschliffen.
  • rohes Holz abhängig vom verwendeten Lack grundieren
  • Ich habe Fensterkitt auf Leinölbasis verwendet und deshalb den Falz, in den später das Glas eingesetzt wird, mit Leinölfirnis grundiert. Das soll verhindern, daß das trockene Holz dem Kitt zu schnell das Leinöl entzieht und er deshalb rissig wird.
  • Lackgrundierung gemäß Dosentext trocknen lassen und danach mit Körnung 240 oder gleichwertig anschleifen. Ich habe dazu einen Schleifschwamm verwendet, da man damit die Profile gleichmäßiger anschleifen kann.
  • Fensterflügel streichen. Das liest sich jetzt recht einfach, dauert aber am längsten, da man immer nur eine Seite streichen kann und diese trocknen lassen muß, bevor man die andere Seite weiterstreichen kann. Vor dem neuerlichen Streichen wieder anschleifen. ANschleifen, nicht ABschleifen! Gegen das Licht sieht man recht schön, wo der Lack bereits angeschliffen wurde. Ich habe den Fenstern vorerst 2 Schichten verpaßt, im Frühjahr streiche ich sie noch einmal komplett, inkl. Kitt. Die Reihenfolge habe ich deshalb so gewählt, weil der Lack (ca. 12 Stunden) schneller trocknet als der Kitt (zwischen 3 Wochen und 2 Monate).
  • Kittbett für die Scheibe vorbereitet. Dazu kommt eine ca. 5mm dicke Kittschnur in den Falz. Der Fensterkitt wird vorher so lange geknetet, bis er warm und geschmeidig ist. Ziel ist ein ca. 1 bis 2mm dickes Kittbett zwischen Scheibe und Fensterrahmen. Dieses Kittbett hat bei unserem Fenster gefehlt, weshalb Feuchtigkeit und Kondenswasser zwischen Scheibe und Rahmen gelangt sind und der Rahmen regelrecht angefault ist.
  • Die Scheibe auf die Kittschnur legen und vorsichtig gleichmäßig festdrücken. Um den Druck dabei zu verteilen habe ich dazu ein Stück Holz genommen. Vorsicht an den Ecken, damit das Glas dort nicht bricht. So lange festdrücken, bis man die gewünschte Dicke des Kittbettes erreicht hat. Danach die Scheibe „gegen Herausfallen“ mit Glaserecken fixieren. Eingeschlagen habe ich diese vorsichtig mit einem 5mm Durchschlag und einem Hammer. Um die Scheibe gegen das Absenken im noch weichen Kitt zu sichern habe ich sie verklotzt. Dabei werden Verglasungsklötzchen (ich habe mir Holzdübel zurechtgeschnitzt) diagonal zwischen die Schmalseite des Glases und den Fensterrahmen gesteckt. Das ohne Gewalt durchführen, damit sich in der Scheibe keine Spannung aufbaut und sie dadurch bricht.
  • Ist alles verklotzt und verglasereckt kann man mit einem Kittmesser den herausgedrückten Kitt des Kittbettes abtrennen und mit dem Finger glätten. Der unteren Länge habe ich eine kleine Schräge verpaßt, damit Kondenswasser nicht stehenbleibt, sondern abrinnen kann.
  • Vor dem Einkitten nicht vergessen, das Schutzblech (bei Außenflügeln) wieder zu montieren
  • Zum weiteren Verkitten wieder eine Kittschnur wutzeln, auf das Glas legen und in den Falz drücken. Die Dicke ist abhängig von der Tiefe des Falzes. Je genauer die Kittmenge dimensioniert ist desto leichter tut man sich beim Abziehen, das richtig einzuschätzen macht dann die Übung.
  • Die Kittphase wird mit einem Kittmesser abgezogen. Dabei wird der überzählige Kitt weggeschnitten und eine regelmäßige und glatte Oberfläche erzielt. Die Breite der Phase orientiert sich am Falz und wird so bemessen, daß sie von innen später nicht zu sehen ist. Die Ecken werden zuletzt ausgebildet, dabei wird in Richtung der Ecke gearbeitet, nicht von der Ecke weg. Die fertige Kittphase kann man mit einem weichen Pinsel mit Kreidestaub bestreichen, dadurch wird er weniger klebrig und man kann eine schönere Oberfläche erzielen.
  • Den fertig gekitteten Flügel habe ich einen Ruhetag gegönnt und dann wieder eingehängt, dabei aufpassen, daß man nicht in den weichen Kitt greift. Davor habe ich sie grob gereinigt, auf Hochglanz werden sie erst gebracht, wenn sie komplett gestrichen sind.


Nachtrag 04.08.2011

Nachdem ich in letzter Zeit wieder 3 Fenster hergerichtet habe bin ich auf folgendes draufgekommen:

  • Es geht wesentlich schneller, die Fenster an den leicht zugänglichen Flächen (Innen- und Aussenseiten) mit dem Exzenterschleifer anzuschleifen und die Seiten und Falze mit der Hand – sprich mit Schleifklotz und Papier – zu schleifen. Den Deltaschleifer nehme ich nur in schwer zugänglichen Ecken, sonst gehts viel zu langsam und der Verbrauch an Schleifpads ist mörderisch. Alternativ nehme ich einen Farbkratzer zum Entfernen loser Farbe. Siehe 2. Bild Mitte.
  • Schleifpapier kann ihr Glas gefährden. Entweder ist unser Fensterglas so mies oder die Schleifkörper in Schleifpapier so hart, aber beim Schleifen nahe am Glas sollte man vorsichtig sein, da man sonst unschöne Kratzer in der Scheibe hat. Eventuell vor dem Schleifen abkleben.
kittmesser

Eine Auswahl an Kittmessern. Nach diesem Projekt würde ich mich für das rechts unten entscheiden.

IMG 019

Mein Werkzeug: Die Funktion des Kittmessers hat ein altes Buttermesser übernommen.

IMG 006

Der abblätternde Lack ist abgeschliffen, den alten Fensterkitt und die Scheibe habe ich komplett entfernt. Sieht nicht so schlimm aus. Kein Wunder: Das hier ist der Flügel in "gutem" Zustand. Der andere mußt komplett abgeschliffen werden.

IMG 004

Der Rahmen wird durch einfache Holzdübel zusammengehalten, die sich durch das Arbeiten des Holzes selbständig gemacht haben. Ich habe sie wieder eingeschlagen und mit einem Tapetenstift gesichert. Macht man das als Profi so? Keine Ahnung, meiner Ansicht nach sprach nichts dagegen.

IMG 006

Ausgeglast und abgeschliffen. Rechts sieht man dunkel deutlich das angefaulte Holz, das eigentlich ersetzt gehört hätte.

IMG 008

Grundiert, außen mit Acrylgrund, den Falz mit Leinöl. Links hat einmal einstreichen gereicht, rechts habe ich 4 oder fünf Mal grundiert, da ist das Leinöl so schnell eingezogen wie das Bambi beim alten Lugner wieder ausgezogen ist.

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Gestrichen und bereit zum Kitten

kitt2_m_m

Kitt... AAARGGGH! Neiiin!!!

IMG 010

... das ist der richtige. Weich geknetet.

IMG 011

Festdrücken der Scheibe ins Kittbett mit einem Holzklotz.

verklotzung

korrekte Verklotzung - Schema

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Verklotzt und mit Glaserecken gesichert.

IMG 013

Das abgezogene Kittbett. Oben (eigentlich unten) die beschriebene Phase.

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Beim Einkitten

IMG 017

Fertig abgezogen und bereit zum Einhängen

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3 Antworten to “Dei Vota is ka Glosara… (Projekt)”

  1. Stefan said

    Das ist mal eine feine Sache. Bin demnächst auch dran, habe im gekauften Haus ein Kastendoppelfenster mit 6 Flügeln (Frontansicht), welches einen ziemlich miesen Zustand hat. Ich sag auf jeden Fall mal großes DANKE für die Bilder nebst Text. Sehr interessant und informativ.

    VG, Stefan

  2. Sören said

    Sehr schöne Dokumentation.
    Das mit dem Verklotzen hatte ich bisher falsch verstanden.
    Nur bitte bei Leinölkitt auch Leinölfarbe nehmen. Es ist Zeitaufwändiger (nicht das Streichen, sondern die längeren Zwischentrocknungsphasen) aber Materialgerechter.
    Ausserdem muss Leinölfarbe NIEMEHR abgeschliffen werden, sonder nur alle Jahre wieder mittels feiner weicher Messingbürste abgebürstet werden und dann eine einfache Farbauffrischung hinterher.
    Bitte traut keinem Malerfachgeschäft! Die sind auch dem Atmungs und Diffusionsoffenem Blabla der Lackindustrie hörig. Und haben oft keine Ahnung von den guten alten „Basics“ wie Leinöl und co.
    Maler wollen einen Auftrag SCHNELL zu Ende bringen. Daher sind sie oft gegen Leinöl und Co.
    Dann kommen Texte wie „…das ist alles überholter Kram“ „man nimmt heute…“ – Bullshit!
    Die einzigen die heute noch Ahnung von Farben haben sind Restauratoren und spezielle Geschäfte wie:
    http://www.leinoelpro.de hier wird beschrieben wie ein richtiger Leinölfarben Aufbau geht. Das Thema Fenster ist auch beschrieben.
    http://www.kreidezeit.de und ähnliche.
    Interessantes zur Materialgerechten Holzbehandlung gibt es bei:
    http://www.konrad-fischer-info.de leider etwas chaotisch strukturiert die Website, aber sehr informativ.

    Ich habe mit den genannten Firmen nichts am Hut! Also bitte nicht als Werbung verstehen. Es gibt sicher noch Andere die was davon verstehen.
    viele Grüße
    Sören

  3. Jana said

    Hallo,
    sehr nett und gut verständlich beschrieben. Ich muss bei meinem alten Forsthaus die Kellerfenster neu machen. Das sind Eisenrahmen und VIELE kaputte kleine Scheiben.
    Danach kommt der hölzerne Vorbau daran. Da werde ich mir auch mal die oben genannten Seiten anschauen, für meine Kellerfenster bringt mir das ja noch nix.
    Weiter so!

    Grüß
    Jana

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